Studienergebnisse InA.Coach App
Hey, wir sind Lisa, Regi und Malena und haben im Rahmen des Moduls Usability Engineering Project eine Studie zusammen mit der Diakonie Kork durchgeführt. Wir haben die InA.Coach-App hinsichtlich ihrer Bedienbarkeit und Barrierefreiheit getestet. Dabei lag der Fokus auf der Analyse der Nutzererfahrung von Menschen mit Behinderungen, die die App verwenden. Die InA.Coach-App ist eine digitale Aufgaben-Assistenz, die Benutzende dabei unterstützt, Arbeitsabläufe strukturiert zu gestalten und wichtige Schritte nicht zu vergessen. Die App soll barrierefrei gestaltet sein, was sie besonders nützlich für Menschen mit Behinderungen macht.
Die Diakonie Kork ist eines von sieben Epilepsiezentren in Deutschland. Angeschlossen sind Wohnangebote, Werkstätten und Schulen für Menschen, die neben der Epilepsie zusätzliche Beeinträchtigungen haben, aber auch für Menschen, die nicht an einer Epilepsie erkrankt sind.
Unsere Studie haben wir in der Textil-Service Kork gGmbH durchgeführt, einer Wäscherei, die von Menschen mit und ohne Beeinträchtigung geführt wird. Die Idee der Diakonie ist es, die Ina Coach App in den Alltag des Textil-Service einzubauen, um die verschiedenen Arbeitsschritte zu erklären.
In der Vorbereitung auf die Studie haben wir uns Gedanken zu der Aufgabenstellung gemacht. Wir sollten in der InA.Coach-App eine Anleitung schreiben, in der die Bedienung eines iPads erklärt wird.
Im Anschluss haben wir unsere Use Cases gebastelt, wofür wir Videos zur Verfügung gestellt bekommen haben, die die Bedienung erklären.
Außerdem haben wir einen Fragebogen erstellt, den wir den Probanden nach Durchführung der Aufgaben geben wollten. Hier sollten sie uns einen Einblick geben, wie gut sie mit der App zurechtgekommen sind, wo es möglicherweise Barrieren gab und ob sie sich vorstellen könnten, die App in ihrem Arbeitsalltag zu nutzen. Wir haben uns für zwei Use Cases entschieden. Im ersten sollten die Probanden YouTube bedienen und verschiedene Einstellungen an einem Video vornehmen. Der zweiten Use Case ging um die Einstellungen im iPad, zum Beispiel in den Bedienungshilfen oder dem Kontrollzentrum.
Unsere Probanden wurden von der Textil-Service Kork gGmbH gestellt.
Insgesamt waren es 8 Probanden. Zwei hatten keine Einschränkungen, drei hatten kognitive Einschränkungen und drei waren körperlich eingeschränkt. Alle Probanden hatten bereits Vorerfahrung mit Tablets oder Smartphones unterschiedlicher Betriebssysteme. Jeder Proband hatte zwei Tablets vor sich liegen. Auf dem Samsung Tab wurde die Anleitung für die Aufgaben in der Ina Coach App angezeigt. Auf dem iPad sollten die Probanden die Use Cases dann durchführen. Wir haben bei Bedarf Hilfestellung geleistet, währenddessen Beobachtungen protokolliert und beim Fragebogen mitgeschrieben, der in einem Interview Format durchgesprochen wurde. Außerdem war immer eine Ihnen bekannte Begleitung anwesend.
Unser User-Test hat ergeben, dass die App noch einiges zu wünschen übrig lässt, was die Bedienbarkeit und Barrierefreiheit angeht. Bei allen Probanden traten Bedienprobleme auf, unabhängig von Ihren Einschränkungen. Die Auswertung ergab, dass alle Probanden die Aufgaben lösen konnten. Drei selbstständig, die übrigen fünf mit Hilfestellung. Das qualitative Feedback erwies sich als wesentlich nützlicher als das quantitative, da die Fragen nicht optimal auf die Nutzergruppe abgestimmt waren.
Trotz wenig negativem Feedback wurden klare Probleme sichtbar, die wir durch unsere Beobachtungen dokumentieren konnten.
Unser Fazit ist, dass die App definitiv potential hat. Auch konkret im Textil-Service der Diakonie Kork könnten wir uns gut vorstellen, dass sie eine Erleichterung für den Alltag darstellen könnte.
Allerdings müsste dafür noch einiges hinsichtlich der Bedienbarkeit und Barrierefreiheit optimiert werden.
Die Probanden haben uns auch rückgemeldet, dass sie sich eine Nutzung im Arbeitsalltag vorstellen könnten.
Allgemein haben wir sehr viele Erkenntnisse aus der Studie ziehen können. Es war super spannend in der Umsetzung und die Zusammenarbeit mit der Textil-Service Kork gGmbH hat uns großen Spaß gemacht.
Hier geht´s zum Video auf YouTube:
InA.Coach App Studienergebnisse
Aktion Mensch fördert Strukturentwicklung der Textil-Service Kork gGmbH
Die Textil-Service Kork gGmbH (TSK) geht neue Wege und setzt künftig auf digitale Systeme, um Arbeitsprozesse neu zu strukturieren und diese wirtschaftlicher zu gestalten. Dank der Förderung durch Aktion Mensch kann die Inklusionswäscherei, in der Menschen mit und ohne Behinderung auf dem ersten Arbeitsmarkt zusammenarbeiten, diese digitalen Lösungen umsetzen und in den Arbeitsalltag integrieren. Dazu plant die TSK die Einführung der digitalen App „InA.Coach – Die digitale Aufgabenassistenz“. Die App soll Prozesse barrierefrei abbilden und den Mitarbeitenden mit Behinderung ein noch selbst bestimmteres und sichereres Arbeiten ermöglichen. Gleichzeitig werden das bereits eingesetzte E-Learning-Schulungssystem Secova sowie die Unternehmenswebsite barrierefrei gestaltet.
Unterstützt wird das Inklusionsunternehmen dabei von Studierenden der Hochschule für Medien in Stuttgart. Gemeinsam mit den Mitarbeitenden der TSK haben sie eine Nutzerstudie durchgeführt, um konkrete Bedürfnisse und Herausforderungen zu identifizieren. Anschließend erstellen sie kurze Erklärvideos für die App „InA.Coach“. Durch intensive Schulungen und individuelle Anpassungen an die Bedürfnisse der Mitarbeitenden soll die digitale Transformation nachhaltig und inklusiv gestaltet werden.
Für eine erfolgreiche Umsetzung der geförderten Strukturentwicklung werden außerdem die notwendigen technischen Grundlagen geschaffen: Geplant sind eine flächendeckende WLAN-Infrastruktur, die Bereitstellung von Tablets und Surface-Geräten sowie die Erstellung von Schulungsmaterialien in leichter Sprache und mit Gebärdendolmetscher-Videos. Die Umsetzung erfolgt über einen Zeitraum von drei Jahren und hat Ende 2024 begonnen.

Textil-Service Kork feiert zehnjähriges Jubiläum

Mit einem Gottesdienst und einem Festakt mit vielen Gästen wurde am Mittwoch, 5. Juni, das zehnjährige Jubiläum der Inklusionswäscherei Textil-Service Kork gGmbH (TSK) in der Kreuzkirche der Diakonie Kork begangen.
“Wir feiern heute ein ganz besonderes Unternehmen“, sagte der Vorstand der Diakonie Kork, Frank Stefan. Dem Textil-Service Kork sei es gelungen, den Spagat zwischen einem wirtschaftlich arbeitenden Betrieb, der sich am Markt behaupten kann, und einem gemeinnützigen Unternehmen zu schaffen, das sich auf die Fahnen geschrieben hat, Menschen Arbeit zu geben, die aufgrund einer Beeinträchtigung nur schwer oder gar keinen Arbeitsplatz finden. Von den 33 Beschäftigten des TSK haben 14 eine Beeinträchtigung.
Der Textil-Service Kork ist ein gemeinschaftliches Unternehmen der Diakonie Kork und einem gewerblichen Partner, dem Textil-Service Ilse GmbH aus Baden-Baden. „In der Diakonie versuchen wir das, was wir sonntags geschützt hinter dicken Kirchenmauern erzählen, von Montag bis Freitag mit Leben zu füllen“, sagte Frank Stefan. Arbeit sei nicht nur ein Mittel, um den Lebensunterhalt zu verdienen, sondern gebe Menschen das Gefühl, etwas leisten zu können, gebraucht zu werden, wichtig und wertvoll zu sein. „Der Textil-Service Kork ist ein Inklusionsunternehmen, das auch Menschen nach Tariflohn bezahlt, die nicht so leistungsfähig sind wie es unsere Höher-schneller-weiter-Gesellschaft gerne hätte“, sagte er.
Die Geschäftsführerin des Textil-Service, Elke Hildebrand, ließ die Entstehungsgeschichte des TSK Revue passieren. Bereits 2005 wurde geprüft, wie man die alte, in die Jahre gekommene Wäscherei, die sich damals neben der Kreuzkirche befand, ersetzen könne. Daraus entstand die Idee, der sozialpolitischen Aufgabe der Diakonie Kork Rechnung zu tragen und ein inklusives Unternehmen zu schaffen, das dennoch wirtschaftlich arbeitet. In Ingo Schön, Geschäftsführer des Textil-Service Ilse aus Baden-Baden, wurde ein kompetenter Berater, Projektbegleiter und letztlich auch Geschäftspartner gefunden. Nach der Zusage verschiedener Fördermittel vom Kommunalverband für Jugend und Soziales und der Aktion Mensch erfolgte im Mai 2013 der Spatenstich zu dem gemeinsamen Projekt.
Nach einer Bauzeit von einem Jahr nahm die neue Wäscherei auf dem Gelände der Diakonie Kork im Juni 2014 die Arbeit auf, ausgestattet mit modernster Technologie und Maschinen. Waren es anfangs fünf Menschen mit Beeinträchtigung, die dort Arbeit fanden, ist ihre Zahl inzwischen auf 14 gestiegen. Im Lauf der Jahre konnten 13 Pflegeeinrichtungen als externe Kunden hinzugewonnen werden, der Umsatz stieg von 1,4 Millionen Euro (2015) auf 2,5 Millionen Euro im Jahr 2023.
2,5 Tonnen Wäsche werden pro Tag beim TSK angeliefert – Bettwäsche, Kleidung der Bewohner, Arbeits- und Schutzkleidung der Mitarbeitenden der Diakonie Kork – sowie die Wäsche der externen Kunden. Jedes Wäschestück erhält einen Patch, auf dem gespeichert ist, wem das gute Stück gehört und wie es gewaschen werden muss. Der Patch wird mittels Scanner ausgelesen und ein ausgeklügeltes System mit optischen und akustischen Signalen zeigt den Mitarbeitenden, wo das Wäschestück nach dem Waschen und Trocknen einsortiert werden muss.
„Die TSK möchte als Teil der Gesellschaft daran mitarbeiten, dass Vielfalt selbstverständlich ist“, sagte Elke Hildebrand. Vielfalt bedeute, dass alle Menschen unterschiedlich sind, aber trotzdem zusammengehören. Geplant ist, noch mehr digitale Systeme zu nutzen, um die Arbeitsplätze langfristig zu sichern, beispielsweise mit einer Coaching-App. „Die App unterstützt Menschen mit Behinderung, in ihrer Tätigkeit selbstständiger und selbstbewusster zu werden“, so die Geschäftsführerin.